Manche Ideen entstehen nicht geplant. Die hier ist mir tatsächlich im Auto gekommen, auf genau der Strecke, auf der das Shooting später stattgefunden hat.

Die Idee, die mich nicht mehr losgelassen hat

Ich war auf dem Weg nach Hause, Autobahn, dieses typische goldene Abendlicht, bei dem alles automatisch besser aussieht. Rechts eine Brücke über die Fahrbahn, Verkehr drunter, Blick bis zum Horizont. Ich dachte mir nur: Da müsste man mal stehen. Nicht als Zufallsfoto aus dem Auto raus, sondern wirklich dort, bewusst inszeniert. Normalerweise lass ich solche Gedanken ziehen. Diesmal nicht.

Warum ausgerechnet eine Autobahnbrücke

Ich mag Orte, die eigentlich nicht für Fotos gedacht sind. Eine Brücke über einer vielbefahrenen Straße ist laut, zugig, und man steht ziemlich exponiert da – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Genau das hat mich gereizt. Es gibt etwas Ehrliches daran, sich an einem Ort zu zeigen, der einen nicht schützt. Kein Studio, keine kontrollierte Kulisse, kein Zurück, sobald man einmal oben steht. Dazu kommt der Kontrast, der mir visuell einfach gefällt: die Bewegung und Hektik des Verkehrs unter mir, während ich selbst still stehe. Autos, die an einem fremden Leben vorbeirauschen, ohne zu ahnen, was über ihnen passiert.

Der Tag selbst

Ich geb zu, ich war nervöser, als ich erwartet hatte. Nicht wegen der Kälte, obwohl die Netzstrumpfhose an dem Abend wirklich keine gute Wahl fürs Wetter war. Eher wegen der Autos. Man steht da, komplett sichtbar für jeden, der zufällig rüberschaut, während unten hunderte Menschen vorbeifahren, die von alldem nichts mitbekommen. Dieses Gefühl, gleichzeitig unsichtbar und komplett exponiert zu sein, war seltsam aufregend. Das Licht hat mitgespielt, was bei Outdoor-Shootings nie selbstverständlich ist. Dieser warme, fast orangefarbene Ton kurz vor Sonnenuntergang, der alles weicher macht. Ich erinnere mich, wie ich zwischen den Aufnahmen kurz runtergeschaut hab, auf die Lichterketten der Scheinwerfer, die sich in beide Richtungen gezogen haben, und gedacht hab: Das hier wird gut.

Was das Outfit mit der Idee zu tun hat

Ich hab mich bewusst für etwas Weißes entschieden, netzartig, halbtransparent. Nicht, weil’s das Naheliegendste gewesen wäre, sondern weil Weiß in diesem goldenen Licht fast zu leuchten anfängt. Gegen den grauen Asphalt und die dunklen Bäume im Hintergrund sollte ich selbst der hellste Punkt im Bild sein, fast schon fehl am Platz, so wie die ganze Situation ja auch irgendwie fehl am Platz war. Das Netzmaterial war übrigens nicht ganz unschuldig gewählt. Es zeigt genug, um interessant zu sein, verdeckt aber genug, um die eigentliche Spannung erst später aufzulösen. Genau dieses Spiel mag ich an guten Shootings – nicht alles sofort zeigen, sondern eine Erwartung aufbauen.

Warum ich mich getraut hab, diesmal weiterzugehen

Ich mach schon länger Content, aber nicht immer komplett unverhüllte Bilder. Diesmal hab ich mich bewusst dafür entschieden, einen Schritt weiterzugehen als sonst. Kein großer dramatischer Grund dahinter, ehrlich gesagt. Einfach das Gefühl, dass der Ort, das Licht, die ganze Situation danach verlangt hat, nicht halb bei der Sache zu bleiben. Ich will nicht behaupten, dass mir das leichtgefallen ist. Es gibt immer diesen kurzen Moment vor dem Auslöser, wo man sich fragt, ob man’s wirklich macht. Aber genau diese Unsicherheit macht ein Bild für mich am Ende oft ehrlicher als eins, bei dem man sich keine Sekunde unwohl gefühlt hat.

Was in der Galerie wirklich drinsteckt

Die vollständige Serie zeigt mehr als nur das eine Bild, das du vielleicht schon gesehen hast. Verschiedene Posen auf der Brücke, der Übergang vom Tageslicht ins Dämmerlicht, ein paar Aufnahmen, bei denen der Verkehr unter mir bewusst mit ins Bild gehört. Und ja, auch die Aufnahmen, bei denen das Outfit komplett verschwunden ist. Ich hab bewusst nicht alles auf ein einziges Bild gepackt. Eine gute Galerie erzählt für mich eine kleine Geschichte, vom ersten zögerlichen Posieren bis zu dem Moment, in dem die Nervosität verflogen war und ich mich einfach getraut hab.

Für wen sich das lohnt

Wenn dich Outdoor-Shootings interessieren, wenn dir der Kontrast zwischen echtem, lauten Alltag und einem inszenierten, stillen Moment mitten drin gefällt, oder wenn du einfach neugierig bist, wie weit ich diesmal gegangen bin: Die komplette Galerie findest du freigeschaltet auf meinem Profil. Das Angebot dafür gilt nur für kurze Zeit, genau wie der Mut, der an diesem Abend auch nur für ein paar Stunden gereicht hat.Danach bin ich wieder ganz normal ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren. Als wäre nichts gewesen. Nur, dass jetzt ein paar Bilder existieren, die das Gegenteil beweisen.